Identity & Access Management
Jeder Mitarbeiter, Dienstleister und jede Applikation hat eine digitale Identität. IAM stellt sicher, dass diese Identitäten korrekt verwaltet, Zugänge nur bei Bedarf gewährt und bei Ausscheiden sofort entzogen werden — die Grundlage jedes funktionierenden Sicherheitsprogramms.
Warum IAM die Grundlage der Cybersecurity ist
Identity & Access Management (IAM) befasst sich mit der Frage: Wer darf was — auf welchem System, zu welchem Zeitpunkt, unter welchen Bedingungen? Jede fehlerhafte Antwort auf diese Frage ist ein potenzielles Sicherheitsleck: zu weitreichende Zugriffsrechte, vergessene Accounts ehemaliger Mitarbeiter, nicht dokumentierte Service-Accounts oder fehlende MFA bei Remote-Zugriffen.
IAM umfasst die gesamte Lebenszyklus-Verwaltung digitaler Identitäten: vom ersten Arbeitstag (Joiner), über Stellenwechsel (Mover), bis zum Ausscheiden (Leaver). Es integriert Verzeichnisdienste (Active Directory, LDAP), Identitäts-Governance-Plattformen, SSO-Systeme und MFA in ein kohärentes Gesamtbild.
Joiner — Mover — Leaver
Der Identitäts-Lebenszyklus definiert, wann welche Zugänge gewährt, geändert oder entzogen werden müssen. Lücken in jedem Schritt sind direkte Sicherheitsrisiken.
Typische IAM-Problembilder
Rechte-Akkumulation (Privilege Creep)
Mitarbeiter sammeln über Jahre Zugriffsrechte an. Jede Versetzung fügt Rechte hinzu — alte werden nie entzogen. Das Ergebnis: Accounts mit massiven, ungenutzten Berechtigungen, die kein Auditor mehr nachvollziehen kann.
Verwaiste Accounts (Orphaned Accounts)
Accounts von Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen haben — aktiv in AD, mit gültigen Zugängen zu Systemen. Häufig: 30 Tage nach Kündigung noch voll funktionsfähig. Ein klassisches Angriffsvektorziel.
Fehlende Trennung von Funktionen (SOD)
Ein Buchhalter kann Zahlungen anlegen UND freigeben. Ein IT-Administrator kann Protokolle anlegen UND löschen. Ohne SOD-Enforcement in IAM ist das Vier-Augen-Prinzip eine leere Richtlinie.
Manuelle Provisionierungsprozesse
IT-Abteilungen bearbeiten Zugriffsanträge manuell per E-Mail oder Ticket. Neue Mitarbeiter warten Tage auf ihre Accounts. Offboarding geschieht zu langsam. Fehler bei manuellen Prozessen häufen sich.
Kein Überblick über Applikationszugänge
Wer hat Zugriff auf welche Applikation mit welchen Rechten? In typischen Unternehmen mit 50–200 Applikationen gibt es dafür keine zentrale Antwort. Rezertifizierungen werden seltener durchgeführt oder existieren nicht.
Inkonsistente MFA-Durchsetzung
MFA für den VPN-Zugang, aber nicht für interne Applikationen. MFA für Admins, aber nicht für normale Nutzer in sensitiven Systemen. Uneinheitliche Durchsetzung schafft blinde Flecken, die Angreifer gezielt ausnutzen.
IAM-Implementierung: Schrittweise, risikoorientiert
Current-State-Assessment & Identity-Inventar
Vollständige Erfassung aller Identitäten: menschliche Accounts, Service-Accounts, technische User in Applikationen. Analyse bestehender Rollenstrukturen, Berechtigungsverteilung und Provisionierungsprozesse. Identifikation kritischer Lücken: Orphaned Accounts, Rechte-Akkumulation, fehlende MFA, nicht dokumentierte SOD-Konflikte.
IAM-Strategie & Target Architecture
Definition des Zielbildes: zentrales Identity-Provider-Konzept, Rollenmodell (RBAC vs. ABAC), Applikationsintegrationsstrategie, HR-System-Integration, SSO-Architektur. Entscheidung zur Plattformauswahl (Microsoft Entra, SailPoint, Saviynt, One Identity) auf Basis Ihrer Umgebung.
Directory-Konsolidierung & Plattformaufbau
Bereinigung und Konsolidierung von Active Directory, ggf. AD-Forest-Merge, Entra ID (Azure AD)-Integration. Aufbau der IAM-Plattform, Konfiguration von Connectors für Zielsysteme und HR-Integration. Pilotgruppe für erstes Rollout.
Rollenmodell, Governance & Rezertifizierung
Business-Role-Mining aus Ist-Bestand, Bereinigung, Dokumentation und Freigabe durch Fachbereiche. Aufbau von Rezertifizierungskampagnen (quartalsweise oder anlassbezogen). SOD-Regelwerk-Implementierung. Access-Request-Self-Service-Portal für Mitarbeiter.
SSO, MFA & Applikationsintegration
SAML/OIDC-Integration aller relevanten Applikationen für SSO. MFA-Rollout für alle Nutzergruppen (Phasenplan). Konditionale Zugriffsrichtlinien: MFA für risikoreiche Aktionen, Gerätecompliance-Prüfung. Integration von CyberArk oder anderem PAM-System für privilegierte Zugänge.
IAM in Regulatorik & Compliance
| Framework | IAM-relevante Anforderung | Kontrolle |
|---|---|---|
| ISO 27001:2022 | A.5.15 Access Control, A.5.16 Identity Management, A.5.18 Access Rights (Rezertifizierung) | IGA-Plattform, Rezertifizierung |
| DORA (Art. 9) | Nutzerverwaltung, Zugriffsrechte-Management, MFA für kritische Systeme | JML-Lifecycle, MFA-Enforcement |
| PCI-DSS 4.0 | Req. 7 (Least Privilege), Req. 8 (Identity & Auth. Management), MFA Requirement 8.4 | RBAC, MFA, regelmäßige Reviews |
| NIS2 (Art. 21) | Multi-Faktor-Authentifizierung für alle privilegierten Zugänge | MFA, SSO, PAM-Integration |
| GDPR / PDPL | Zugangsbeschränkung auf personenbezogene Daten (Datenschutz-by-Design) | ABAC, Rezertifizierung, Logging |
Was Sie von uns erhalten
IAM-Assessment-Report
Detaillierter Ist-Stand: Identitäts-Inventar, Gap-Analyse gegen Best Practices und regulatorische Anforderungen, priorisierter Maßnahmenplan mit Business-Impact-Bewertung.
Target-Architecture-Dokument
Vollständige Zielarchitektur: Identity-Provider-Design, Rollenkonzept, Applikationsintegrationsstrategie, SSO-Architektur, MFA-Durchsetzungskonzept.
Rollenmodell & SOD-Matrix
Dokumentiertes Rollenmodell (Business Roles → IT Roles → Entitlements), SOD-Konfliktmatrix und automatisierter Konflikterkennung in der Plattform.
Betriebsbereite IAM-Plattform
Konfigurierte Plattform mit funktionierenden Connectors, JML-Workflows, Rezertifizierungskampagnen und Self-Service-Portal — dokumentiert und übergabebereit.
MFA & SSO-Rollout
Vollständig implementiertes MFA für alle Nutzergruppen, SSO für alle integrierten Applikationen, konditionaler Zugriff nach Risikoprofil.
Compliance-Dokumentation
Audit-fähige Nachweise: Zugriffslogs, Rezertifizierungshistorie, SOD-Konfliktberichte, Account-Lifecycle-Dokumentation für Auditoren und Regulatoren.
Häufige Fragen zu IAM
Was ist der Unterschied zwischen IAM und PAM?
Was ist Identity Governance & Administration (IGA) und warum brauchen wir es?
Wie läuft eine IAM-Integration mit dem HR-System ab?
Kann IAM auch Service-Accounts und technische Identitäten verwalten?
Welche Plattform empfehlen Sie für IAM?
Wie hängen IAM und Zero Trust zusammen?
IAM-Projekt besprechen — unverbindlich und vertraulich
Ob Greenfield-IAM, Legacy-Konsolidierung oder IGA-Einführung — wir helfen mit dem richtigen Ansatz für Ihre Umgebung.